Psychiatriemißbrauch

Eine kleine Satire

Neue psychiatrische Erkrankung entdeckt

-          Eine kleine Satire  -

Nachdem die amerikanischen Herausgeber des DSM IV in ihrer neuen Version mit zusätzlichen und bisher noch nicht klassifizierten Erkrankungen die öffentliche Aufmerksamkeit erweckten, ziehen die Verantwortlichen des ICD 10 nach. Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification (ICD-10-GM) ist die amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung in Deutschland.

 

Im Jahr 2013 entdeckte man den Morbus Gustl Ferdinand Mollath, kurz Morbus Mollath genannt und fügte ihn in den ICD 10  unter F 100 ein. Die Neuentdeckung wurde nach dem Betroffenen benannt, bei dem man diese Erkrankung erstmals offiziell festgestellt hat.

Unter Morbus Mollath  versteht man das Leiden unter politischer/juristischer/behördlicher Willkür. Lange Zeit war man der Auffassung, dass es sich hierbei um eine paranoide Psychose oder eine wahnhafte Störung handeln müsse. Jedoch kamen  bisweilen Zweifel auf, weil die Behandlungsmethoden dieser Erkrankungen beim Morbus Mollath nicht ansprachen.

Das Typische am Morbus Mollath ist, dass er ein Gewissen hat und auf seine innere Stimme hört, die ihm sagt, er sei ein guter Kerl und müsse weiter für die Gerechtigkeit kämpfen. Hier stößt der Betroffene auf soziale Schwierigkeiten, da er nicht erkennt, dass es Themen gibt, die nach politischer/juristischer/behördlicher Absprache tabu sind. Wenn er trotzdem weiter davon spricht, muss man ihm helfen, damit ihm erhebliche soziale, existentielle und gesundheitliche Nachteile erspart bleiben. Ein Beispiel: meint der Betroffene, dass Schwarzgeldverschiebungen illegal sind und gemeldet werden müssen, dann irrt er. Um ihn davon abzuhalten, kann man versuchen, ihm z.B. 500 000 Euro zu bieten. Der normale und gesunde Mensch wäre darüber hoch erfreut und würde das Geld annehmen, um sich ein schönes Leben zu machen. Nicht so der Morbus Mollath. Er schlägt dies aus. Dass dies nicht normal ist, weiß schon der medizinische Laie. Wenn der Morbus Mollathh auf Geld nicht anspricht, so kann man ihm sagen, dass man für seine Behandlung im stationären Rahmen sorgen werde. Da der Morbus Mollath krankheitsuneinsichtig und behandlungsunwillig ist, hat der Gesetzgeber Möglichkeiten geschaffen, um hier zu helfen.

Es gibt gute Institutsambulanzen, da können die Ärzte schon allein aus der Erzählung über den Betroffenen erkennen, wie krank und gefährlich er ist und dies auch per Attest zur gerichtlichen Vorlage bestätigen.

Das Attest erlaubt es den staatlichen Einrichtungen, mit der aktiven Hilfe für den Betroffenen zu beginnen. Mit Hilfe des ärztlichen Attestes kann ein gerichtlicher Beschluss zur Anordnung einer psychiatrischen Begutachtung ergehen, welche das vorhergehende Attest bestätigen soll. Ein Gutachten ist halt beweiskräftiger als ein Attest. Für diese Begutachtung ist es ausreichend, wenn der Betroffene in einem Raum mit einem Psychiater ist. Dies nennt sich dann Raumbegutachtung. Bisher war es so, dass der Psychiater beim  Morbus Mollath den Verdacht auf eine paranoide Psychose oder wahnhaft Störung  stellte. Für den Beschluss nach § 81 StPO ist die Diagnose aber unerheblich. Wichtig ist nur im Rahmen der Begutachtung nach § 81 StPO den Betroffenen für maximal 6 Wochen gegen seinen Willen in der Psychiatrie einzusperren. Wenn dann der Betroffene von der Polizei unerwartet aus seinem Haus verbracht, in eine Zelle ohne Wasser und Brot gesperrt wird, dann kann er schon mal sein wahres Wesen zeigen und nur um zu provozieren Wasser mit einem Becher aus der Toilette schöpfen. Dies vergeht ihm aber schnell, wenn er daraufhin Besuch von einigen Polizisten bekommt, wodurch er sich aus unerklärlichen Gründen Schürfwunden und Hämatome an den Beinen zuzieht. Das ist aber nicht weiter schlimm, da er sowieso am nächsten Tag in die psychiatrische Klinik gebracht und damit einem Arzt vorgeführt wird. Wenn er durch die Behandlung ungehalten und misstrauisch geworden ist und die Untersuchung ablehnt, so weiß der erfahrene Psychiater sofort, hier muss geholfen werden. Die Unterbringung nach § 81 StPO zur psychiatrischen Untersuchung ist zwar seit dem Jahr 2001 nicht mehr erlaubt, wenn der Betroffene die Untersuchung ablehnt. Dies versucht man zu umgehen, indem  man  am Anfang und am Ende der 6 Wochen nachfragt, ob derjenige sich vielleicht doch untersuchen lassen will.

Erklärt der Betroffene dem aufnehmenden Arzt, dass er aufgrund multipler Allergien seit Jahren nur noch Biolebensmittel konsumiere und Kernseife benutze und dies in der Klinik auch verlange, dann kann der Arzt nicht anders und muss diese Größenideen vermerken. Schließlich scheint der Betroffene realitätsfremd nicht zu wissen, dass er im Krankenhaus und nicht im 5-Sterne-Hotel ist. Wenn er dann noch meint, dass eine Untersuchung oder Blutabnahme gegen seinen Willen gemäß dem Grundgesetz eine Körperverletzung darstelle, und wenn der Arzt dieses nicht glaube, dann solle er selbst nachschauen, dann ist dies paralogisch aus ärztlicher Sicht.

Wie geht nun der Gutachter mit so einer Person um? Wenn er ihn fragt, ob er sich von ihm oder seinen Mitarbeitern untersuchen lassen werde und dieser das nur unter Zeugen zusagt, so ist eine Untersuchung nicht möglich. Man will schließlich keine Zeugen dabei haben. Eigentlich müsste der Gutachter nun den Gutachtenauftrag zurückgeben, denn ohne gründliche mehrstündige Untersuchung kann keine Diagnose gestellt werden. Man kann aber auch sagen, wenn der Betroffene eine Untersuchung ohne Zeugen nicht zustimmt, dann ist er selbst schuld, wenn nichts Gutes für ihn rauskommt und der Gutachter sich auf den Akteninhalte und die Notizen über das Verhalten des Betroffenen, welche vom Stationspersonal erstellt wurden, verlassen muss. Man beachte dabei, dass Papier geduldig ist.

Stellt der Gutachter in einen kurzen informativen Gespräch mit dem Betroffenen fest, dass der eigentlich psychopathologisch unauffällig ist, ist die Begründung für das Vorliegen einer schweren seelischen Störung erschwert, aber für den erfahrenen forensischen Psychiater machbar. Man nennt einfach keine  Hauptdiagnose, sondern nennt nur Differentialdiagnosen, die evtl. möglich wären und verweist darauf, dass man bei Bedarf, also wenn neue Erkenntnisse vorlägen, die Diagnose auch anpassen könnte. Dies ist unverbindlich und bewahrt vor Schadensersatzansprüchen.

Wenn man vom Betroffenen nichts Wahnhaftes vernimmt, dann kann man auch schreiben, dass er bewusst nicht auf die sensiblen Themen angesprochen wurde, um ihn nicht zu provozieren, aber wenn man ihn darauf angesprochen hätte, dann hätte er seinen Wahn auch preisgegeben.

Hinzu kommt noch bei jemandem, der auf Bioprodukte und Kernseife besteht, dass dies eine krankhafte Rigidität belegt.

Man kann auch von akustischen Halluzinationen in Form von Stimmen sprechen, um die Diagnose einer paranoiden Psychose in den Raum zu stellen. In diesem Fall macht man einfach aus der Äußerung, dass jemand nach seinem Gewissen, seiner inneren Stimme handele, er höre imperative, also befehlende Stimmen, die auch sein Handeln kommentieren würden.

Wichtig ist nur, dass man stets von einer Differentialdiagnose spricht, also unverbindlich bleibt. Dann muss der Gutachter aber mit Bestimmtheit behaupten, dass beim Betroffenen keine Enddiagnose gestellt werden konnte, weil eine Untersuchung abgelehnt wurde, man aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen kann, dass eine schwere seelische Störung vorliegt.

Die Schlussfolgerung daraus ist:

Es liegt eine schwere seelische Störung vor, aufgrund derer Straftaten begangen wurden. Der Betroffene ist daher zumindest vermindert schuldfähig zu den Tatzeitpunkten gewesen. Dafür muss man aber nicht mit dem Betroffenen über die vorgeworfenen Taten sprechen, um zu dieser Feststellung zu kommen. Entscheidend ist letztlich das Resümee: der Betroffene wird wahrscheinlich wieder Straftaten krankheitsbedingt begehen; er gefährdet damit die Allgemeinheit und weil er weder krankheits- noch behandlungseinsichtig ist, muss er gemäß § 63 StGB auf unbestimmte Zeit in der forensischen Psychiatrie untergebracht werden.

Das überzeugt dann auch das Gericht. Es konnte kein auffälliger psychopathologischer Befund festgestellt werden, dafür konfabuliert man über mögliche Erkrankungen, die nicht ausgeschlossen werden konnten, weil der Betroffenen nicht kooperativ war. Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit psychiatrische Erkrankungen, aufgrund derer ein Kranker eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Sollte man sich in diesem Fall irren, so liegt die Erbringung des Gegenbeweises  beim Betroffenen. Soll er sich doch einer Begutachtung stellen. Im Übrigen wird die Angelegenheit einmal jährlich überprüft.

Also erfolgt durch das Gericht ein Freispruch und zum Wohle aller die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie. Die Behandlung des Morbus Mollath erfolgt wie immer nach den üblichen Standards, dass können auch die psychiatrischen Koryphäen bescheinigen. Immer wieder versucht man dem Betroffenen zu vermitteln, dass er nicht sagen soll, was tabu ist. Schwört er nicht ab, muss er die Konsequenzen spüren. Er kommt in Hand- und Fußfesseln zum Hofgang. Führt er Gespräche mit Mitpatienten, um sich von denen die Bestätigung für seinen Wahn zu holen, so muss man auch dies unterbinden. Denn man darf einen Wahnkranken nicht in seinem Wahn bestätigen. Daher müssen auch die Außenkontakte durch Telefonate beschränkt werden. Nachdem die Behandlung bei dem Betroffenen, bei welchem der Morbus Mollath erstmalig diagnostiziert wurde, nicht anschlug, kamen Zweifel auf. Mitglieder der Walter- von- Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie, die sich seit 40 Jahren mit dem Missbrauch in der Psychiatrie beschäftigen, wurden auf den Fall aufmerksam. Sie beschäftigten sich mit dem Einweisungsgutachten und stellten fest, dass es unlogisch und unwissenschaftlich ist. Sie führten eine persönliche Begutachtung des Betroffenen durch und konnten den schon zuvor im Einweisungsgutachten festgestellten unauffälligen psychopathologischen Befund bestätigen. Sie zogen aber nicht den falschen Schluss daraus, dass der Betroffene an einer paranoiden Psychose oder einer wahnhaften Störung leide, sondern, dass er gesund sei. Die Therapieempfehlung lautete daher: Zivilcourage, Öffentlichkeit, unverzügliche Entlassung und Rehabilitierung.

Die Verfechter der alten Diagnose und Behandlungsweisen konnten nicht so schnell überzeugt werden. Noch versuchten sie andere Psychiater, welche sich auf dem Gebiet der forensischen Psychiatrie fortbilden wollten, von ihrer Auffassung zu unterrichten. Sie boten ein kostenintensives Seminar an, mit  dem Titel „Unser Gustl : Realität, Wahn, Justiz und Medien “. Dieses Seminar entspricht den Qualitätsrichtlinien der Fachgesellschaft der Psychiater (DGPPN). Die liebenswürdige Bezeichnung für einen Patienten sollte gleich vermitteln, wie fürsorglich und würdevoll mit solch einem Erkrankten umgegangen werden muss. Nachdem dies dem ein oder anderen doch zu vertraulich erschien und man Professionalität durch Distanzierung suggerieren wollte, änderte man den Titel in „Der Fall Gustl Mollath“.

Infolge der Therapie mittels Zivilcourage, Öffentlichkeitsarbeit durch Internet, Medien und Kundgebungen und rechtsanwaltliche Intervention,  entschied das Gericht sich an der neuen Therapieform zu beteiligen und ordnete die sofortige Entlassung an. Nun waren auch die Vertreter der alten Methode überzeugt und setzen die Entlassung in Windeseile um. Man wartete gespannt ab, was diese abrupte Änderung in der Therapie mit dem Betroffenen anstellen würde und ob er neue Straftaten begehen werde. Doch der Erfolg gab der gewählten Therapie Recht. Hatte man den Betroffenen noch im Krankenhaus stinkend, ungepflegt und ohne Schuhe erlebt, so trat er nun ordentlich frisiert, in blütenweißem Hemd, schwarzem Sakko und Schuhe tragend auf. Hatte er noch im Krankenhaus rigide die Krankenhausnahrung aus nicht- biologischem Anbau abgelehnt, so sah man ihn jetzt mit Freunden im Restaurant essen. Konnte man ihm Vertrauen? Ja, sagte ein langjähriger Freund. Er kenne ihn und er solle den Schlüssel seines Porsches nehmen und eine Runde fahren. Er zerstach nicht die Reifen, sondern machte eine Ausflugsfahrt mit dem Freund. Der Durchbruch war geglückt.

Das Seminar „Unser Gustl“ bzw. „Der Fall Gustl Mollath“ hätte nun geändert werden müssen in „Morbus Mollath“, aber stattdessen strich man diesen Themenkomplex ganz. Wahrscheinlich müssen sich die forensischen Koryphäen in dieses Thema erst genauer einarbeiten.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) erklärt durch ihren Präsidenten Prof. Maier das Folgende zu dem Fall:

„Der Fall Gustl Mollath hat gezeigt, dass in Bezug auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen, in denen die forensische Psychiatrie ihrem Behandlungs- und Sicherungsauftrag nachkommt, erhebliche Informationsdefizite bestehen. Dabei ist es die rechtsstaatliche Aufgabe des Gerichts – und nicht der forensischen Psychiatrie – zu prüfen und festzustellen, ob sich die einem Menschen zur Last gelegten Straftaten überhaupt ereignet haben und nicht eventuelle Falschbezichtigungen eine Rolle spielen. Es ist auch alleinige Aufgabe des Gerichts, die Schwere von begangenen Straftaten zu bewerten. Gutachter haben eine diagnostische und prognostische Aufgabe. In Gerichtsverfahren entscheiden nicht sie, ob es eine Straftat überhaupt gegeben haben könnte oder ob der von ihnen untersuchte Proband sie begangen hat, sondern sie arbeiten angeleitet durch das Gericht.

Der Fall Gustl Mollath hat nun den dringenden Reformbedarfs der rechtlichen Rahmenbedingungen der Behandlung im Maßregelvollzug deutlich gemacht. Bereits 2011 hat die DGPPN eine entsprechende Forderung an die Politik adressiert. Die Bedeutung einer korrekten Begutachtung und Behandlung – zum Beispiel in Hinblick auf Diagnose, Gefährlichkeitsprognose und Risikoabschätzung – erfordert zwingend die Beteiligung forensisch-psychiatrischer Experten an den notwendigen Reformen. Deshalb ruft die DGPPN die
Initiative Maßregelreform ins Leben. Diese soll unter Einbezug der politischen, juristischen und fachärztlichen Experten auf die Reform des Maßregelrechts hinarbeiten – mit dem Ziel die rechtlichen Rahmenbedingungen einer Behandlung im Maßregelvollzug rasch anzupassen und die medizinische Behandlung von psychisch kranken Straftätern zu gewährleisten. Das konstituierende Auftaktgespräch findet am 11. September 2013 in Berlin statt.“

Zusammenfassend meint also die DGPPN zum Fall Mollath, dass er durch Informationsdefizite entstanden sei. Die Gutachter hätten nur eine diagnostische und prognostische Aufgabe und arbeiten angeleitet durch das Gericht. Ob damit gemeint ist, dass sie nach Wunsch des Gerichtes arbeiten, kann nur gemutmaßt werden. Wenn einer die Schuld trägt, dann das Gericht. Denn:“ Dabei ist es die rechtsstaatliche Aufgabe des Gerichts – und nicht der forensischen Psychiatrie – zu prüfen und festzustellen, ob sich die einem Menschen zur Last gelegten Straftaten überhaupt ereignet haben….“ Also: „Reformbedarf(s) der rechtlichen Rahmenbedingungen der Behandlung im Maßregelvollzug…. Deshalb ruft die DGPPN die Initiative Maßregelreform ins Leben.“

Der eigentliche Grund für den Fall Mollath liegt aber im folgenden Satz der DGPPN:

„Die Bedeutung einer korrekten Begutachtung und Behandlung – zum Beispiel in Hinblick auf Diagnose, Gefährlichkeitsprognose und Risikoabschätzung…“   

Welche Konsequenzen zieht die DGPPN aus dieser Feststellung? Wie viel Wert ist ihr ausgegebenes Zertifikat zur Anerkennung als forensischer Psychiater? Macht die Forderung des DGPPN „zwingend die Beteiligung forensisch-psychiatrischer Experten an den notwendigen Reformen“ überhaupt Sinn oder wäre sie gar kontraproduktiv?

In Schweden wird schon gemunkelt, ob die Entdeckung des Morbus Mollath nicht nobelpreisverdächtig sei.

Für alle, die wissen wollen, wie man wahnhafte Störungen richtig diagnostiziert und therapiert, hier eine kostenlose Fortbildung aus der Fachzeitschrift "Neurotransmitter" 10/2006.